1121 - 2005
884 Jahre
Pfarrei Michelfeld
Geschichte in Kurzform

 

 

Am obersten Laufe der Pegnitz besaß die Bamberger Kirche seit den Zeiten Heinrichs II. Güter um Velden. Kaum zwei Meilen auf­wärts lag Michelfeld. Hier errichtete der HI. Otto sein neues Kloster, was die abgebildete Gründungsurkunde (StA Amberg)

                  vom 6. Mai 1119  bezeugt.

 

Damit trat Michelfeld ins Licht der Geschichte.

 

 

 

Dem Kloster gab Otto der Urkunde nach neben vielen Äckern, Wiesen, Wäldern, dem Fischrecht in der Pegnitz auch an die 50 Dörfer oder Weiler, darunter auch die jetzige Stadt Auerbach.

 

 

Im Jahr nach der Gründung besuchte Otto Michelfeld von neuem. Pater Augustin Prinner, ein Mönch des Klosters, erwähnt die Gewäh- rung der Spendung der Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Taufe, dazu die Einräumung des Rechts an die Mönche des Klosters durch Bischof Otto dem Heiligen am Tag der Kirchweihe des Müns- ters Michelfeld am 6. Mai 1120, kirchliche Begräbnisse zu vollziehen. Diese Erlaubnis und Vollmacht ließ Otto, wie nebenstehende Kopie der Originalurkunde aus dem Staatsarchiv Amberg beweist, schriftlich in Michelfeld zurück.

 

Dies bedeutete allerdings noch nicht die Errichtung einer Pfarrei Michelfeld..."

 

Genau eineinhalb Jahre später war Otto wieder in Michelfeld.

Am 6. November 1121, dem Fest des HI. Leonhard, übergibt er die von seinem Kaplan erbaute und gestiftete und in der Nähe des Klosters im Dorf gelegene Sankt Leonhardskirche dem Kloster. 

 

(Urkunde der Pfarreierhebung vom 6. Nov. 1121, StA Amberg)

 

Dies war die Geburtsstunde der Pfarrei Michelfeld.

 

Die Pfarrei mit der Pfarrkirche St. Leonhard war 1121 dem Kloster inkorporiert, d.h. der Abt durfte den Pfarrer vorschlagen und die Pfarrei war dem Kloster voll eingegliedert.

                                                                                      

"In einer Federskizze von 1522/23, der frühesten uns bekannten Ansicht des Ortes, ist die damalige Klosteranlage, von Nord- westen her gesehen, prägnant wieder- gegeben...."

(Abb. und Text aus: Auerbach i.d.OPf., Fritz Schnellbögl, S. 411)

 

Doch schon bald sollte St. Leonhard kein rein katholisches Gotteshaus mehr sein. Um 1550 war die Reformation in Michelfeld eingezogen. Evangelische bzw. kalvinistische Geistliche waren in den folgenden Jahren tätig. Bei diesem mehrmaligen Wechsel der Glaubenslehre wurde nicht nur die Klosterkirche, sondern auch die Pfarrkirche St. Leonhard arg mitge- nommen.

 

Im Dreißigjährigen Krieg war nicht nur die Pfarrkirche St. Leonhard 1634 von den Schweden niedergebrannt worden, sondern auch die Klosterkirche und Klostergebäude hatten in den Kriegszeiten stark gelitten. Im Jahr 1661 kamen dann die Benediktiner von Oberaltaich aus nach Michelfeld zurück, bekamen 1669 offiziell ihr Kloster wieder und gingen an den Aufbau. 

 

(Stich bei Ertel 1690)

 

In den Jahren zwischen 1670 und 1700 wurden die Klostergebäude und die Klosterkirche neu errichtet. Nach Fertigstellung der Kirche St. Leonhard zog die Pfarrgemeinde im Jahre 1732 von der St. Michaelskapelle in ihr neues, wenn auch noch schmuckloses, Gotteshaus um.

 

Ganz im Gegensatz zu heute. Die ehemalige Pfarrkirche wurde zuletzt von 1982 bis 1986 renoviert und erstrahlt seitdem in neuem Glanz.

 

Die Lebens- und Glaubensfreude der Menschen im 18. Jahrhundert muss lebendig und über- sprudelnd gewesen sein. Dieses sprühende Leben machte nicht am Kirchenportal Halt. Pro- zessionen, Flurumgänge und Wallfahrten waren Ausdruck dafür. Aber auch Zeugen in Stein künden von der Unbefangenheit und dem überschwenglichen Glaubensausdruck jener Jahr- zehnte. In Michelfeld sind dies die Wieskapelle, die heute als Leichenhalle genutzt wird und der Ölberg.



Ölberg



Ölbergfiguren


Wieskapelle

Geißelheiland

Alle diese Kunstdenkmäler auf dem Michelfelder Friedhof haben eine wechselvolle Geschich- te hinter sich. Dieses Auf und Nieder, die guten und die schlimmen Tage der Geschichte, gin- gen an den drei Schöpfungen des ausgehenden Barockzeitalters auf dem Friedhof, der St. Leonhardskirche, dem Ölberg und der Wieskapelle nicht spurlos vorbei, denn schon war ein neues Gewitter aufgezogen, die Säkularisation.

 

Bei der Säkularisation im Jahre 1803 umfasste die Pfarrei Michelfeld 1000 Seelen, heute sind es ca. 1600"-Die ehemalige Klosterkirche, in den Jahren 1690 bis 1695 neu errichtet, wurde zur Pfarrkirche, während die St. Leonhardkirche jetzt als Gottesackerkirche diente.

Der vordere Konventbau und der Kirchturm dieser neuen Pfarrkirche entstanden von 1695 bis 1700.

 

Die Fortschritte der einzelnen Bauabschnitte sind als Jahreszahlen am Kirchturm heute noch zu sehen. Die weitere Einrichtung und Ausgestaltung konnte erst in den darauffolgenden Jahren bis 1721 vorgenommen werden. Als Baumeister genannt wird unter anderem Wolf- gang Dientzenhofer von dem die Pläne oder zumindest maßgebliche Beeinflussungen stam- men. Als herausragender Künstler schuf Cosmas Damian Asam die Fresken und das Hoch- altarbild. Innerhalb der Oberpfalz nehmen die ehemalige Benediktinerabtei und die Pfarr- kirche St. Johannes Evangelista eine bedeutende Stellung ein und sind immer einen Besuch wert.

Durch die Säkularisation wurde das Kloster Michelfeld, wie viele andere auch, aufgelöst. Die heutige Pfarrkirche, Kloster und aller Grundbesitz wurden staatliches Eigentum. In den Folge- jahren waren Pfarrer, Lehrer, Förster, Schule, Rentamt in den Teilen der Klosteranlage unter- gebracht. Der größte Teil allerdings stand leer und dem Verfall preisgegeben und erst viel spä- ter sollte wieder Leben einziehen.

 

Mit der erwähnten Schenkung der Klosterkirche St. Johannes an die Michelfelder Gemeinde im Jahre 1804 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Pfarrei Michelfeld.

 

“Wie das Pfarrleben in Michelfeld sich gestaltete, lässt sich anhand der ´Verkündungsbücher der Pfarrey Michaelfeld´ ersehen. Aus ihnen ist auch ersichtlich, dass neben St. Leonhard, Ölberg und Wieskapelle noch die St. Michaelskapelle stand.

Im Jahre 1808 wurde der ehemalige Mönch Pater Johannes Evangelist Thumser Pfarrer von Michelfeld, was er bis zu seinem Tod 1837 blieb. Seit 1804 heißt die Pfarrei St. Johannes Ev. Michelfeld.

Das Leben der Michelfelder Pfarrangehörigen war wesentlich mehr als heute von der Land- wirtschaft geprägt. Dürre oder übermäßiger Regen wirkten sich verheerend aus. Das Jahr 1817 war den Büchern nach besonders schlimm.

Zu erwähnen ist auch, dass 1823 und später noch Michelfelder Kinder im Bistum Regensburg gefirmt wurden, nämlich in Eschenbach. Allerdings kam der Bamberger Bischof auch in Ab- ständen nach Auerbach. Heute wird bei uns alle drei Jahre gefirmt. 

Seinerzeit wurde auch die ´Ewige Anbetung´ eingeführt. Der Termin lag allerdings anders als heute und war von Bamberg auf den 28. und 29. Januar festgesetzt worden. Leider sind uns aus der Zeit der Nachfolger Thumsers keine so umfassenden Unterlagen überkommen. So wissen wir heute nur sehr wenig aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einige wenige herausragende Ereignisse im Leben der Pfarrgemeinde seien jedoch noch erwähnt.

Im Jahr 1845 beschrieb ein Michelfelder Lehrer den Ort und die Pfarrei Michelfeld folgender- maßen:

´Michelfeld... enthält die Kloster-, jetzt Pfarrkirche, und ehemalige Pfarrkirche zum hl. Leonhard mit Begräbnis, Beinhaus, Ölberg und Wieskapelle, 2 Schulen, 84 Häuser ohne das Klostergebäude, 474 Seelen und vereinigt mit Michelfeld 16 Dörfer, Weiler und Höfe als:

a) Fischstein                     mit 18 Häuser    und      161Seelen,
b) Horlach                         mit 13 Häuser    und       78 Seelen,
c) Weidelwang                  mit 11 Häuser    und        73 Seelen,
d) Nasnitz                          mit 29 Häuser    und      194 Seelen,
e) Hammerbühl                 mit   2 Häuser    und          9 Seelen,
f) Hammerberg                mit   2 Häuser    und        16 Seelen,
g) Heroldsreuth                mit   4 Häuser    und        27 Seelen
h) Rosenhof                       mit   2 Häuser    und        14 Seelen
i) Saaß                              mit   3 Häuser    und        26 Seelen
k) Seegmühl                      mit   4 Häuser    und        30 Seelen
l) Staubershammer             mit   2 Häuser    und        21 Seelen
m) Stein                             mit   3 Häuser    und        22 Seelen
n) Hämmerlmühl                mit   1 Haus        und          8 Seelen
o) Niedernhof                    mit   1 Haus        und        10 Seelen
p) Ziegelhütte                   mit   1 Haus        und          3 Seelen
96 Häuser                       692 Seelen; hiezu
84 Häuser                       474 Seelen von Michelfeld
180 Häuser                  1166 Seelen in Summa.

Die Anzahl der gewerbetreibenden Familien ist 37; nämlich: 1 Steingutfabrikant, 3 Spezerei- händler, 1 Tuchmacher, 1 Zeuchmacher, 4 Weber, 4 Schuhmacher, 3 Schneider, 2 Schmiede, 3 Müller, 2 Gastwirthe, 2 Brau- und Schenkwirthe, 3 Metzger, 1 Schlosser, 2 Schreiner, 2 Wag- ner, 2 Zimmermeister, 1 Färber und 1 Bäcker. Die übrigen Einwohner leben vom Feldbau und dem Tagelohn.

Weniger glückliche Zeiten brachten die Jahre vor und der Krieg 1870 / 71. Die damals gefal- lenen Soldaten der Pfarrei kann man auf dem auf dem Michelfelder Friedhof stehenden Denkmal lesen.

Erfreulicher dagegen war der Einzug der Dillinger Franziskanerinnen in die Gebäude der ehemaligen Benediktinerabtei in den frühen 80er Jahren. Unter Pfarrer Neppenbacher und durch Einschaltung des Bamberger Erzbischofs kaufte Regens Wagner zum Zweck der Er- richtung einer Taubstummenanstalt die Klostergebäude.

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges brachte auch eine kleine Gemeinde wie Michelfeld aus der alltäglichen beschaulichen Ruhe. Pfarrer Eberth vermerkt in seinem Verkündbuch: ´Ungeheuere Aufregung seit Erklärung des Kriegszustandes.´ Dann tauchen im Verkündbuch immer wieder die Bekanntgaben von Gefallenen regelmäßig auf. Das Leid des Krieges legte sich auch auf die Pfarrei.

Selbst nach diesem Krieg und auch in der Phase der Machtergreifung Hitlers ruhte das Pfarr- leben nicht, was unter anderem aus den Unterlagen des katholischen Burschenvereins Michel- feld hervorgeht. Hier findet man deutliche Hinweise auf den ´katholischen ´Charakter´ dieser Vereinigung. Der traurigste Eintrag in den Unterlagen des Burschenvereins ist auf Seite 14, unter Nr. 22, zu finden. Herr Präses G. Mayer schreibt hier am 13. Oktober 1933: ´...Unter Anordnung der neuen politischen Regierung musste der Vereinsbetrieb auf lange Zeit ruhen. Die von der Gendarmerie sicher gehaltenen Vereinsbücher und Vereinsgelder konnten wieder in Empfang genommen werden.´

Die Pfarrgemeinde Michelfeld verspürte also den Atem des neuen Reiches; Hitler hatte im Januar 1933 die Macht ergriffen.

Ähnlich schwere Zeiten wie im 1. Weltkrieg hatten die Menschen allenthalben in Deutschland erst wieder im 2. Weltkrieg ( 1939 - 1945) und kurz danach mitzumachen. Zum Glück blieb Michelfeld vor der Zerstörung, wie sie zum Beispiel in Troschenreuth oder Nasnitz wütete, dank des mutigen Eingreifens von Pfarrer Scheder, bewahrt.”

Am 4. September 1941 wurde das Kloster Michelfeld für das Militär in Beschlag genommen und von da an als Lazarett verwendet. Die Schwestern, aber auch Insassen des vormaligen Pflegeheimes wurden nun im Militärkrankenhaus eingesetzt.

Die Schatten des Krieges hatten sich auch schwer auf das Kloster gelegt, jedoch der schmerz- lichste Tag war ohne Zweifel der 28. September 1941, als das Naziregime zuschlug und 220 Geisteskranke in die Heil- und Pflegeanstalt Regensburg abtransportieren ließ. 

Am 20. April 1945 rückten die Amerikaner in Michelfeld ein, nicht nur von Nasnitz her, son- dern auch vom Bahnhof... Als Zeichen der Ergebung hängten Dorfbewohner eine weiße Fahne auf den Turm der St. Leonhardkirche.”

Damit war der 2. Weltkrieg für den Ort Michelfeld weitgehendst vorbei. Wie die Kriege zuvor, so hatte auch er wieder viel Leid in die Familien der Pfarrgemeinde gebracht. Viele Männer waren gefallen bzw. noch vermisst. 

 

 

 

 

Die beiden Kriegerdenkmäler im neuen Teil des Friedhofs.

 

 

 

Erneut mussten, wie bereits im 1. Weltkrieg viele Glocken für Kriegszwecke abgeliefert werden. Dabei waren auch die Glocken von St. Leonhard und zwei große Glocken der Pfarr- kirche St. Johannes.

Sicherlich erinnern sich noch die älteren Michelfelder daran, als 1951, unter Pfarrer Müller, die Pfarrkirche wieder eine große Glocke mit 20 Zentnern Gewicht erhielt. 

 

Nach dem Krieg wurde aus der ehemaligen Taubstummenanstalt ein Haus für pflegebedürftige Frauen und Mädchen und im Laufe der Zeit durch Umgestaltung und Modernisierung ein modernes Pflegeheim. Allmählich entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten aus dem 'Pflegeheim Michelfeld' eine moderne Einrichtung für (erwachsene) Frauen und Männer mit Behinderung und vielfältigen Arbeits- und Beschäftigungsangeboten, die heutige allseits bekannte Regens-Wagner-Einrichtung.

 

Die jüngste Renovierung der Pfarrkirche St. Johannes Evangelista begann 1992 mit der Unter- suchung der Fundamente. Nach der Erstkommunion am Weißen Sonntag 1994 wurde der ge- samte Innenraum der Kir- che eingerüstet und mit Hochdruck an der Renovierung gearbeitet. Die durchgeführten Maßnahmen wurden 1998 abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 7,5 Millionen DM. Damit steht, so Dipl. Ing. van Beek, „das prachtvolle Gehäuse wieder zur Aufnahme gottesdienstlichen Lebens zur Verfügung und bietet dem Betrachter einen Ein- druck von der Religiosität und künstlerischen Ausdruckskraft seiner Erbauer an der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert."

 

Zwei Jahre nach Baubeginn des Kindergartens im Pfarrzentrum konnte 1974 bereits mit einer Gruppe der Betrieb aufgenommen werden. Die restlichen folgten im Herbst.

Ein Fest für Michelfeld war die Einweihung des Pfarrzentrums am 13. April 1975 durch Dom- kapitular Kraus, einem gebürtigen Michelfelder. Heuer wurde im Rahmen des Kindergarten- festes das 30-jährige Bestehen gefeiert. 2000 wurden die im selben Jahr in Eigenregie ent- standenen neuen Jugendräume im Pfarrzentrum St. Otto eingeweiht.

 

Weitere Glaubenszeugnisse in der Gemeinde sind der Kinder- und Jugend-, der Kirchen-, der Beerdigungschor, die Fronleichnamsprozession, Maiandachten, Betstunden, Erst- und Jubel- kommunion, alljährliche Bittprozessionen, das Gedenken der Verstorbenen an Allerheiligen und am Volkstrauertag, die Fußwallfahrt nach Gößweinstein um den Heinrichstag, viele Kapellen rundum u.v.a.m.

 

Heute zählt die Pfarrgemeinde ca. 1600 Seelen, die aus Hammerberg, Hammerbühl, Hämmerl- mühle, Heroldsreuth, Horlach, Michelfeld, Nasnitz, Rosenhof, Saaß, Staubershammer, Stein und Weidlwang kommen. 

 

Zahlreiche Helferinnen und Helfer in der Pfarrgemeinde tragen dazu bei, dass das religiöse Leben der Pfarrei in den beiden Kirchen und außerhalb ihrer Mauern weiterhin gedeiht, wenn auch die momentanen Besprechungen anlässlich der Strukturreform für Unruhe in der Pfarrei sorgen. Dennoch schaffen die Aufgeschlossenheit, die Spendenfreudigkeit und das willige Mit- tun vieler Pfarrmitglieder eine Atmosphäre des Sichwohlfühlens und des Gutaufgehobenseins als Mensch, als Christ und als Pfarrgemeinde.